JUMP

Michael Strasser
HALSMANJUMP Erinnerung in Bewegung

Innsbruck, Karl-Rahner-Platz
Eröffnung: 25.09.2026 um 17 Uhr

HALSMANJUMP Erinnerung in Bewegung ist ein interaktives, partizipatives Kunstprojekt, das die bewegte Lebensgeschichte des jüdisch-lettischen Fotografen Philippe Halsman und den weitgehend vergessenen Justizskandal von 1928/29 in Tirol als Ausgangspunkt nimmt.

zur Beschreibung
Eine Person in schwarz/weiß in Sprungpose ohne Kopf vor einem weißem Hintergund und am linken unteren Rand in neon grün der Schriftzug #HALSMANJUMP
Wand mit Text und einem Mann in schwarz/weiß in einer Sprungpose vor einer Kirche
Wand mit Text und einem Mann in schwarz/weiß in einer Sprungpose vor einer Kirche
Weiße Wand mit Text auf einem Platz, dahinter bunte Häuser
Zwei Personen in Sprungpose vor einer Wand mit Text und dahinter bunte Häuser
Wand mit Text und einem Mann in schwarz/weiß in einer Sprungpose vor einer Kirche

Projektbeschreibung

HALSMANJUMP
Erinnerung in Bewegung

Michael Strasser

HALSMANJUMP Erinnerung in Bewegung ist ein interaktives, partizipatives Kunstprojekt, das die bewegte Lebensgeschichte des jüdisch-lettischen Fotografen Philippe Halsman und den weitgehend vergessenen Justizskandal von 1928/29 in Tirol als Ausgangspunkt nimmt. In einer Zeit geprägt von wachsenden gesellschaftlichen Spannungen – zwischen Angst, Wut, Zuversicht und Hoffnung – stellt das Projekt Fragen nach Sichtbarkeit, Erinnerung und Beteiligung.

Eine Fotowandinstallation am Karl-Rahner-Platz in Innsbruck lädt Passant*innen ein, sich gegenseitig in Anlehnung an Halsmans ikonische Jumpology Serie zu fotografieren – einem Akt physischer und emotionaler Transformation. Eine begleitende Webseite vermittelt die historischen Hintergründe, dokumentiert die Beiträge der Teilnehmenden und schafft so eine Art digitaler Gedenkplattform. Der öffentliche Raum wird zu einem Ort des Erinnerns, Reflektierens und Sichtbar-Machens historischer wie aktueller Formen des Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit.

Das Projekt bewegt sich im Spannungsfeld von Körper und Emotion, von kollektiver Erinnerung und individueller Verarbeitung. Der Moment des Sprungs – körperlich wie symbolisch – wird zur Geste gegen das Erstarren angesichts historischer Ungerechtigkeiten, zur Intervention im öffentlichen Raum, zur Einladung an die Gesellschaft, sich selbst mit Fragen nach Antisemitismus, Ausgrenzung und der Macht von Vorurteilen auseinanderzusetzen. Die eigens für das Projekt entwickelte Webseite gewährt durch Texte von Historiker*innen einen tieferen Einblick in die Geschichte und den Gerichtsprozess und wird durch die Möglichkeit die eigenen Sprungfotos zu veröffentlichen, zu einer digitalen Gedenkplattform.

Philippe Halsman (1906–1979) wurde in Riga geboren und zählte später zu den bedeutendsten US-amerikanischen Portraitfotografen des 20. Jahrhunderts. 1928 kam es während einer Wanderung in den Tiroler Alpen zu einem tragischen Vorfall: Sein Vater kam ums Leben, und Halsman wurde – trotz einer sehr umstrittenen Beweislage – in Innsbruck wegen angeblicher Beteiligung verurteilt. Der Prozess erregte internationales Aufsehen; nach mehreren Jahren Haft wurde er vor allem durch den unermüdlichen Einsatz der Familie und prominenter Unterstützer*innen (u. a. Albert Einstein, Thomas Mann) 1930 begnadigt und freigelassen. Halsman ging zunächst nach Frankreich, wo er als Portraitfotograf für Magazine wie Vogue arbeitete. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten emigrierte er 1940 in die USA. Dort entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Fotografen seiner Zeit. Über 100 seiner Portraits erschienen auf dem Cover des Life-Magazins, und er arbeitete mit Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe, Salvador Dalí, Albert Einstein und Richard Nixon.

Berühmt wurde Halsman auch durch seine „Jumpology“ – eine Portraittechnik, bei der er seine Modelle zum Springen einlud. Er war überzeugt, dass sich in diesem Moment die Selbstkontrolle löse und ein authentischer, ungezwungener Ausdruck entstehe. Seine „Jump“-Serie umfasst über 200 Prominente und gilt als humorvoller wie psychologischer Höhepunkt seines Werks. Hier zu sehen ist ein Selbstportrait im Sprung, auf einem Flugfeld vor einem Leichtflugzeug. Philippe Halsman starb 1979 in New York. Sein Werk verbindet technische Präzision, psychologischen Scharfsinn und oft spielerische Kreativität.

Geschichts- und Kunstvermittlung: HALSMANJUMP – Erinnerung in Bewegung
Gesellschaftspolitische Bildung, die historische Quellenarbeit mit ästhetischer Erfahrung verbindet.
Für Schulen ab der 8. Schulstufe, Pädagogische Hochschulen, Universitäten (Geschichte, Politikwissenschaft, Medien, Kunst, Erziehungswissenschaften)
Dauer: 60–90 Minuten (Einführung und Dialog)
Termine nach Vereinbarung (28.09. – 06.11.)
Nähere Informationen: https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/termine/geschichts-und-kunstvermittlung-halsmanjump-erinnerung-in-bewegung

Realisierung mit Unterstützung von:
Produktion: Ulrich Dertschei; Prints: Viennaprint; Webseite: Silvio Canazei; Übersetzung, Lektorat: Étienne Thierry

Dank an: Oliver Halsman Rosenberg, Jennifer Roberts, Philippe Halsman Estate, Caterina Draschan-Mitwalsky, Hans Haider, Niko Hofinger, Ruth Horak, Horst Schreiber, OEAD erinnern.at.