Tower

Mathias Bank & Giacomo Pala
The Tower of Amras

Innsbruck
Herbst 2026

Der Tower of Amras ist ein neuartiger architektonischer Körper und ein Gegenentwurf zu Türmen als Machtdemonstration. Basierend auf Thomas Bernhards Amras, übersetzt die Installation Raum und Form in die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, die die Novelle prägen und greift hierfür architektonische Anspielungen Tiroler Wahrzeichen auf.

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Projektbeschreibung

The Tower of Amras
Mathias Bank &
Giacomo Pala

 

Der Tower of Amras ist ein neuartiger architektonischer Körper; eine neue Art von Turm. Normalerweise gelten Türme als Zeichen der Macht. Sie stehen für Ordnung, Hierarchie und Präsenz. Dieses Projekt vertritt das Gegenteil. Es versteht den Turm als ein mehrdeutiges Gebilde, als ein Gebäude, das die Wunde der architektonischen Repräsentation offenbart.

Basierend auf Thomas Bernhards Amras, übersetzt die Installation Raum und Form in die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, die die Novelle prägen. Sie veranschaulicht die Desillusionierung des Turms gegenüber dem Alltag. Sie verwandelt das Bild der Burg in eine beunruhigende Erinnerung, ein Echo, ein Ganzes, das sich aus seltsam miteinander verbundenen Teilen zusammensetzt.

Das Projekt entwickelt all dies als eine Form des „Seelenschwitzens“. Hier materialisiert Architektur psychischen Druck. Wände, Öffnungen, vertikale Bewegungen und verzerrte Anspielungen auf Tiroler Wahrzeichen erzeugen eine Gestalt, die emotionale Last aufzunehmen und auszuschwitzen scheint. Die Installation greift vertraute Merkmale aus der Architektursprache von Schloss Ambras und der Innsbrucker Altstadt auf und transformiert sie durch Stilisierung, Verflachung und Verfremdung. Vertraute Formen sind zwar noch erkennbar, spenden aber keinen Trost mehr. Sie konfrontieren uns als befremdliche Präsenzen. So behandelt The Tower of Amras Architektur als ein emotionales und kulturelles Medium, das in der Lage ist, Trauma, Erinnerung und Verdrängung festzuhalten.

Im Zentrum des Projekts steht eine radikale Umkehrung der monumentalen Logik. Denkmäler zielen traditionell darauf ab, eine kollektive Einheit zu schaffen und öffentliche Bedeutungen zu festigen. The Tower of Amras präsentiert die Fragmente einer mehrdeutigen Darstellung. Es fungiert als Gegendenkmal, indem es die Form destabilisiert. Der Turm wird zu einer Ansammlung von Teilen, Fragmenten und Symbolen. Seine innersten Spannungen rufen Assoziationen zur Fetischisierung und zur Wiederkehr des Verdrängten hervor.

Bernhards Geschichte zweier Brüder, die nach einer Familientragödie in einem Turm gefangen sind, gibt den emotionalen Ton der Installation vor. Diese Gefangenschaft wird hier zu einer umfassenderen Reflexion über gemeinsame Erfahrungen von Isolation, psychischem Stress und kollektiver Desorientierung – Zustände, die stark mit unserer Gegenwart mitschwingen. Durch enge Gänge, plötzliche vertikale Öffnungen, zerbrochene Durchbrüche und sich wandelnde Beziehungen zwischen Innen und Außen erzeugt der Innenraum ein Gefühl poetischen Unbehagens. Die Besucher bewegen sich durch eine Reihe beengter und instabiler Räume, in denen die Orientierung ins Wanken gerät. Eine in die Struktur eingebettete Kanzel sorgt für eine Umkehrung der Perspektive.