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Alfredo Barsuglia :: Hotel PUBLIK

Eröffnung am Montag, 18. November 2013, 17.30-19.00

Seit Mitte November 2013 steht ein kleines Haus vor dem Tiroler Landesmuseum in Innsbruck – erdacht und entworfen von Alfredo Barsuglia, einem aus Graz stammenden und in Wien (und oft auch anderswo) lebenden bildenden Künstler, ausgeführt von der in Wien ansässigen WUK Werkstatt für Holz und Design, errichtet in Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen aus Tirol. „HOTEL PUBLIK“ steht auf einer seiner Seitenwände geschrieben, und man darf sich wundern, denn für ein Hotel nimmt es sich mit seinen knapp 2 Metern Höhe bis zum Giebel und 2,5 Metern gesamter Länge äußerst sparsam aus. Auf der Liste der „kleinsten Hotels der Welt“ würde es immerhin ex aequo stehen mit dem dort erstplatzierten Kofftel im sächsischen Lunzenau – doch geht es hier nicht um Rekorde. Vor allem geht es auch nicht um „Rentabilität“ im üblichen Sinn, denn wer im HOTEL PUBLIK eincheckt, kann dies ganz ohne Scheckkarte (oder Bargeld) tun.
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Dieses Hotel steht jedem und jeder offen, wenn es nicht gerade belegt ist, zumindest für eine Nacht und jedenfalls gratis. Frühstück gibt’s nicht, auch keine Dusche, aber ein Single-Bed, eine Heizung, Licht und ein (knapp bestücktes) Bücherregal. Auch wird das Haus täglich gereinigt und sein Bett frisch bezogen. Wer hier ab- bzw. von woanders kommend aussteigt, muss auch keinen amtlichen Lichtbildausweis vorweisen, denn es gibt weder eine Rezeption noch sonst eine „Überwachung“; nur ganz wenige Spielregeln, die außen geschrieben stehen: check in (ab) 12 Uhr, check out um 10 Uhr. Und den Schlüssel dann wieder dort hinhängen, von wo er geholt wurde, die Zimmernummer ist leicht zu merken.
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Wem es gerade in den eigenen vier Wänden zu eng geworden ist, wer gerade kein Dach über dem Kopf hat oder findet, wer einfach einmal wieder „auswärts“ schlafen möchte wie vielleicht in der Kindheit im Zelt oder Gartenhäuschen außerhalb der elterlichen Wohnung, wer einmal ausprobieren möchte, wie es sich anfühlt, mitten im öffentlichen Verkehrsbetrieb der Stadt einzuschlafen, aufzuwachen und aufzustehen, wer also einmal ein- oder aussteigen möchte oder muss …, findet im HOTEL PUBLIK eine offene Pforte. Zumindest während der besonders kalten Jahreszeit, denn Mitte Februar wird dieses Hotel wieder verschwinden, zumindest von hier.

HOTEL PUBLIK ist eine temporäre künstlerische Invention im öffentlichen Raum. Warum „künstlerisch“? Ist es nicht die Aufgabe der staatlichen oder regionalen sozialen Einrichtungen, sich um das Gemeinwohl der Menschen zu kümmern? „Eine der Funktionen von Kunst war immer die Veränderung der Lebensverhältnisse“, heißt es in einer Deklaration der Künstlergruppe WochenKlausur, die seit 1993 Vorschläge zur Verringerung gesellschaftspolitischer Defizite erarbeitet und solche auch umzusetzen versucht. Alfredo Barsuglia ist nicht Mitglied der WochenKlausur, doch er macht sich als Künstler ähnliche Gedanken zur gesellschaftspolitischen Situation unserer Zeit und unserer Zivilisation. Diese ist geprägt und maßgeblich bestimmt durch ökonomisches, auf Wachstum und Sicherheit ausgerichtetes Denken und Handeln. Erfolg und Wohlstand sind aber Ziele, die allzu oft nur auf Kosten anderer menschlicher Bedürfnisse erreicht werden können – der vor etwa 200 Jahren durch das Bürgertum errungene Begriff der „Freiheit und Unabhängigkeit“ fasst diese Bedürfnisse zusammen. Wie aber steht es heute um unsere „Freiheit“? Reglementierungen, Kontrolle, Überwachung, Aus- und Abgrenzung, Eingriffe in das Privatleben, Auswertung persönlicher Daten und Lebensgewohnheiten durch unbekannte Dritte, Instrumentalisierung von Ängsten … stehen an der Tagesordnung, kaum dass wir dies bewusst bemerken. Vieles davon geschieht unter dem Vorwand, „Sicherheit“ zu gewähren. Zu unserer Sicherheit bedürfen wir aber vor allem der Selbstsicherheit, das heißt eines durch eigene Erfahrung, durch Reflexions- und Kritikfähigkeit gewonnenen Bewusstseins unserer persönlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse. „Learning by Doing“ (Lernen durch Handeln), eine schon vom alten Aristoteles propagierte pädagogische Methode, welche die Bürger zum sozialen und politischen Handeln befähigen soll, ist nach wie vor dem blinden Gehorsam oder dem Nachahmen vorgegebener Rezepte vorzuziehen.
Etwa in diesem Sinne kann auch das HOTEL PUBLIK als das Angebot einer kleinen, alternativen Schule der Selbsterfahrung betrachtet und in Anspruch genommen werden. Es ist daher nicht „nur“ ein soziales Hilfsprojekt für sozial benachteiligte Menschen, sondern auch ein kleines, aber sehr feines Projekt zur praktischen Reflektierbarkeit unseres sozialen und damit menschlichen Bewusstseins.

Lucas Gehrmann






Reinigung:
Emmaus, Caritas, Innsbruck

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Kooperationspartner:
Land Tirol, Förderaktion Kunst im öffentlichen Raum
Tiroler Künstlerschaft
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Emmaus, Caritas, Innsbruck
Verein für Obdachlose, Innsbruck
FLUCHTpunkt, Innsbruck

http://www.alfredobarsuglia.com

Weblinks:
Ausschreibung 2013