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Robert Fleischanderl :: ALT. SEIN. Kunst im öffentlichen Raum

Eröffnung: Samstag, 1. Juni 2013 um 10.30 in der GALERIE IM FRANZISKUSHEIM, Franziskusweg 9, 6263 Fügen im Zillertal, Tel. 05288 63313
Öffnungszeiten: 1.06.-7.07.2013, MO-SO 10-18 h und nach Vereinbarung

Das Franziskusheim in Fügen ist das Altenwohnheim der Gemeinden des vorderen Zillertals: Bruck am Ziller, Fügen, Fügenberg, Hart im Zillertal, Ried im Zillertal, Schlitters, Strass im Zillertal und Uderns. „ALT.SEIN. Kunst im öffentlichen Raum“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Künstlers Robert Fleischanderl mit dem Franziskusheim Fügen. Durch die Ausstellung ALT.SEIN. treten die BewohnerInnen und das Franziskusheim als Organisation in die Öffentlichkeit.
Das Thema Altenwohnheime wird gesellschaftlich immer relevanter. Die Landesstatistik hat erhoben, dass 2010 16,4% der Tiroler Bevölkerung über 65 Jahre alt war. 2020 werden es bereits 19% sein und 2030 werden 23,7% der Tirolerinnen und Tiroler über 65 Jahre alt sein (http://www.tirol.gv.at/themen/zahlen-und-fakten/statistik/wohnbevoelkerung/#c46659, Abfrage am 29.04.2013). Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerungsgruppe 75+ in Tirol um 232 Prozent zunehmen (Tiroler Landeszeitung, Februar 2012).
Die permanente Verbesserung der medizinischen Versorgung führt zu einer höheren Lebenserwartung und die dazu gewonnene Lebensspanne wird als positiv betrachtet, solange sie aktiv und bei guter Gesundheit erlebt werden kann. „Die negative Seite dieser Entwicklung zeigt sich darin, dass das Risiko krank zu werden mit zunehmendem Alter exponentiell ansteigt. Gleichzeitig an mehreren Erkrankungen (Multimorbidität) zu leiden ist charakteristisch für das hohe Alter und mündet oftmals in Hilfe- und Pflegebedürftigkeit.“ Aufgrund dieser Tatsachen werden zukünftig vermehrt SeniorInnen ihren Lebensabend in einem Wohn- und Pflegeheim verbringen.
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(c) Robert Fleischanderl
ie Fotos von Robert Fleischanderl erzählen von den Menschen und dem Leben in einem Altenwohnheim. Sie laden zur Auseinandersetzung mit dem Thema ein. Alter, Selbstbestimmung, Würde, Isolation, Sexualität, Kontrollverlust, Krankheit, Tod u.a. werden thematisiert. Sie informieren, klären auf und bauen hoffentlich einige Vorurteile ab. Die BewohnerInnen gewähren Einblicke in die von ihnen individuell gestalteten Wohnräume. Eingebettet in ein Umfeld, das trotz mancher altersbedingter Einschränkungen zu einem selbstbestimmten Leben einlädt.
ALT.SEIN. verfolgt das Ziel unterschiedliche und räumlich getrennte Lebenswelten einander näher zu bringen. Es ist eine Interaktion zwischen den BewohnerInnen, den MitarbeiterInnen des Franziskusheimes, den BesucherInnen und der Bevölkerung des vorderen Zillertals und des angrenzenden Inntals. Es ist eine künstlerische Intervention im alltäglichen Raum der Menschen, eine räumliche und thematische Grenzüberschreitung.
Die Fotografien sind keine Dokumentation. Es sind Statements über Menschen, zu Prozessen und Situationen. Die Arbeiten entstehen durch das Mischen von Dokumentarischem, das Reagieren auf Vorgefundenes und einer konzeptionellen, je nach Sujet mehr oder weniger starken Inszenierung. Entstanden sind autonome Bilder, die sich in ihrer Funktion und in ihrem Aufbau zahlreicher Anleihen aus der Kunstgeschichte bedienen.
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(c) Robert Fleischanderl
Die abgebildeten Menschen, Dinge und Situationen werden vom Künstler sozusagen in die Ikonografie des Abendlandes eingebettet, wenn die Fotografien von der Komposition, der Lichtführung oder der Farbgebung an bekannte Werke erinnern. Beispielsweise werden Raster der modernen und zeitgenössischen Kunst ebenso wie das sogenannte Kellerlicht, eine Erfindung, die Caravaggio zugeschrieben wird, oder Typologien aus der sakralen Kunst wie Kreuzigungsgruppen, die unter dem Kreuz meist Maria, die Mutter Gottes, und den Jünger Johannes zeigen, zitiert. Wie in Stein gemeißelt sehen Handstudien aus und einige Portraits erinnern an Charakterköpfe. Ein Mann schaut nach dem Haare schneiden und Rasieren kritisch in den Spiegel. Was er sieht, scheint ihm doch zu gefallen. Einige Menschen sind völlig in sich gekehrt. Andere, wie eine Frau mit Brille, die sicher und an Selbstportraits von Renaissancekünstlern erinnernd in die Kamera blickt, nehmen am Geschehen teil. Eine Frau liest im Pflegebett die Tiroler Tageszeitung. Ihre Haltung ist ähnlich wie die des armen Poeten von Carl Spitzweg. Robert Fleischanderl spielt einerseits auf Sehgewohnheiten an, die im Subtext transportieren, dass es sich bei den Lebensrealitäten in Seniorenheimen um etwas Alltägliches handelt, und schafft andererseits durch die zum Teil inszenierten Analogien in der Darstellung auch Distanz. Distanz, die vom Respekt vor den Menschen herrührt.
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(c) Robert Fleischanderl
Auch ohne kunsthistorisches Wissen regen die Bilder zur Reflexion an und die Achtsamkeit des Künstlers, mit der er an das Thema herangegangen ist, überträgt sich auf die BetrachterInnen. So wird die Wichtigkeit, die die Angehörigen im Leben der BewohnerInnen spielen, deutlich, wenn beispielsweise ein Altärchen auf dem Nachttisch mit Engelfiguren, Blumen und Kerze an den Mann erinnert, ein Foto die Großfamilie ins Zimmer holt oder über dem Bett ein Hochzeitsbild hängt. Manche Bilder, wie das auf dem eine Frau zwischen ihrer stattlichen Sammlung von Stofftieren und Puppen hervorlugt, bringen durchaus auch zum Schmunzeln.

Im Juni 2013 werden die Arbeiten, großformatige Fotografien mit 100x140 cm, im baulich zur Galerie adaptieren Franziskusheim gezeigt. Parallel werden fünf Sujets auf 8-Bogen-Plakaten in einer Außen-Ausstellung im vorderen Zillertal und dem angrenzenden Inntal gezeigt.
Das Altersheim als öffentlicher Ort wird zur Galerie. Das verstärkt die Interaktion, die BetrachterInnen sind zur Auseinandersetzung mit den Arbeiten und Themen eingeladen.
Die angrenzenden Gemeinden sind der Gegenpol zur Ausstellung im Franziskusheim. Die Fotos auf den Plakaten intervenieren in den Alltag der Bevölkerung und es findet eine räumliche und thematische Grenzüberschreitung statt. Sie sind eine Irritation in der strukturellen Routine des Gemeindelebens, es werden Einblicke geschaffen, die BetrachterInnen werden zur Begegnung eingeladen.

Das Thema „Alter“ wurde in letzter Zeit vor allem im Kino häufig verhandelt. David Sievekings Film „Vergiss mein nicht“ beispielsweise, in dem der Autor seine Mutter durch ihre Demenzerkrankung und bis zum Tod begleitet, oder noch bekannter „Amour“ von Michael Haneke, wurden auch medial breit besprochen.

Der innovative und neuartige Ansatz von ALT.SEIN. liegt in der Interaktion der verschiedenen AkteurInnen und der Öffnung des Franziskusheimes. Das Projekt ist ein künstlerisches Statement zum Thema Leben im Alter sowie ein notwendiger Diskussionsbeitrag zum Thema ALT.SEIN.

http://www.robert-fleischanderl.com/
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(c) Robert Fleischanderl

Weblinks:
Ausschreibung 2012